El Hierro (vormals Ferro ) ist die westlichste und mit 287 km² die kleinste der Kanarischen Inseln . Sie ist an ihrer höchsten Stelle (dem Pico de Malpaso) 1.501 Meter hoch und hat 10.477 Einwohner ( ISTAC , 2005 ). Die Hauptstadt Valverde , gleichzeitig Sitz der Gemeinde Valverde, liegt im Nordosten der Insel. Die zweite, südliche Gemeinde heißt La Frontera mit gleichnamigem Verwaltungssitz. El Hierro wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.
• aktuelles WetterGrob kann man die drei Landschaftsformen der weiten Hochebene im Nordosten, des El-Golfo-Tales im Nordwesten und der abfallenden Fläche El Juláns im Südwesten feststellen. Es gibt große Gegensätze: Einerseits ist El Hierro im Verhältnis zur Grundfläche sehr hoch (bis 1500 Meter ü. NN ) und weist daher zu 90% (mehr als 100 km) der Küstenlinie steile Klipppen auf, andererseits hat sie ein sanfthügeliges, fruchtbares Hochland, welches im kanarischen Archipel einzigartig ist. Dieses wird landwirtschaftlich intensiv genutzt. Flache Küstengebiete gibt es bis auf das Golftal nicht. El Hierro bietet trotz der geringen Größe eine beträchtliche, landschaftliche Vielfalt, wie beispielsweise karge Lavawüste , märchenhaften Nebelwald, Pinienwälder , Obsthaine, saftig-grünes Weideland bis hin zu Ananas- und Bananenplantagen. Im Süden befindet sich die Cueva de Don Justo , die größte Höhle der Insel. Sie besteht aus einem weit verzweigten System von Lavatunneln. Diese entstehen, wenn die Außenhaut der Lava bereits erkaltet und stehenbleibt, im Innern die Lava jedoch weiter fließt. Es gibt auf El Hierro auch viele vulkanische Höhlen, die durch Gasblasen entstanden sind. Einige dienten bereits den Guanchen als Unterkunft oder Grabstätte.
Während der mittleren Ausbruchsperiode entstand das Tal El Golfo . Es handelt sich nicht, wie bisher angenommen, um einen Teil eines alten Riesen kraters , der zur Hälfte im Meer versunken ist, sondern das Tal entstand nachweislich durch Erosion einer großen Inselmasse, die einst das Tal füllte. Ein riesiger Vulkan hatte sich hier immer höher aufgetürmt, schließlich brach er unter seinem eigenen Gewicht weg. Es entstand wahrscheinlich eine große Flutwelle ( Tsunami ). Nur die steilen Felswände blieben stehen, von denen man bisher vermutete, sie seien Teil des Kraterrandes des vermeintlichen Riesenkraters. Diese Wände sind wesentlich älter als das Gestein des Talbodens, welches erst nach dem Zusammenbruch von einem untermeerischen Vulkan neu aufgebaut wurde. Das Zentrum dieses Vulkans liegt im Scheitelpunkt der Y-Form. Heute ist der Boden im Golfo-Tal fruchtbar und das Klima günstig für Kulturlandschaften.
Auf der ehemals stark bewaldeten Hochebene sind durch Abholzung, Waldbrände, Erosion und Weidewirtschaft viele kahle Flächen entstanden. Andererseits ist durch Bewässerung auch Grün geschaffen worden, wie Obstplantagen und Äcker. Es gibt keinen größeren Bach auf der Insel. Nur aus ein paar spärlichen Quellen rinnt das Niederschlagswasser aus den Felsen.
Im Südwesten, El Julán und die Hochweiden von Dehesa zieht sich ein große Fläche mit einem Gefälle bis 45% von der 1400 Meter hohen Cumbre bis auf 100 Höhenmeter hinab. Der Rest ist Steilküste. Auf den unteren Teil der Fläche brennt die Sonne auf vegetationslosen Fels. Im äußersten Westen war einst ein ausgedehnter Wacholderwald , von dem nur wenige alte Exemplare der Sabinas dem Wind trotzen.Im Sommer liegt die Temperatur im Norden an der Küste bei 26 °C, im Süden dagegen bei 30 °C; in Valverde auf 600 Meter ü. NN im Sommer nur bei 18 °C. Im Winter ist es im Norden an der Küste etwa 20 °C kühl, im Süden etwa 1,5 °C wärmer. In Valverde erreichen die Temperaturen dagegen nur 11,5 °C im Winter. Angegeben sind immer Durchschnittswerte. Niederschlag fallen in Valverde im Winter 80 mm im Monat, im Süden nur 25 mm. Im Sommer ist im Süden meist kein Niederschlag zu verzeichnen, in Valverde aber sind immer noch 5 mm im Monat möglich.
Entscheidend für das Vorkommen der Pflanzenarten ist die Höhenlage. Da gibt es die trockene Küste bis etwa 400 Meter ü. NN, darüber bis etwa 800 Meter die halbfeuchte Zone, und schließlich bis zum Gipfel auf 1500 Metern das nebelfeuchte Gebiet.
An den trockenen Küsten leben die Pflanzen fast nur vom nächtlichen Tau, deshalb gedeihen hier die Sukkulenten , die wasserspeichernden Arten. Dazu gehören auch die weit verbreiteten Wolfsmilchgewächse (kanarisch: tabaiba ). Der milchige Saft der Balsam-Wolfsmilch ( Euphorbia balsamifera , auch tabaiba dulce ) diente in eingedickter Form einst den Hirten als durstlöschender Kaugummi. Dagegen diente der Saft der Säuleneuphorbie oder Kandelaberwolfsmilch ( Euphorbia canariensis , spanisch: cardón ) den Guanchen als chemische Keule beim Fischfang. Er wächst auf El Hierro hauptsächlich an den Steilwänden von Las Playas , daher auch der Name der südlichen Gegend des Ortes: Los Cardones . Ebenfalls in der Trockenzone der Küsten ist der Mond ampferstrauch ( Rumex lunaria ) zu finden. Sie schmeckt besonders den Ziegen gut. Der verbreitete Dorn lattich ( Launaea arborescens ) ist dagegen ungenießbar. Häufig anzutreffen ist auch der würzig duftende Wermutstrauch ( Artemisia absinthium ), der dichte und niedrige Büsche bildet. In salziger Luft direkt am Meer gedeihen der Strandflieder ( Limonium pectinatum ) und die Sodapflanze ( Mesembryanthenum crystallinum ), auch Mittagsblume oder Eiskraut genannt. Diese wandelt das Salz aus der Luft in Soda um, weshalb sie auf den größeren Inseln im 19. Jahrhundert zur Seifenherstellung nach Europa exportiert wurde.
Bei etwa 200-400 Metern ü. NN siedeln sich ebenfalls Sukkulenten an. Neben verschiedenen Dickblattgewächsen gedeihen hier auch Kakteen und Agaven . Die Endemiten der Gattung Aeonium auf El Hierro sind das Aeonium hierrense und das Aeonium valverdense . In dieser Zone gedeihen auch die fliederblättrige Gänse distel (endemischer Vertreter: Sonchus hierrensis ) und die nach Thymian duftenden tomillo -Sträucher ( Micromeria hyssopifolia ), eine Verwandte des Bohnenkrauts . Auch unter den weiß oder blau blühenden Natternkopfarten ( Echium ) gibt es einen Inselendemiten: Echium hierrensis . Wie Kletten hängt der Samen des Zweizahns ( Bidens pilosa ) an des Wanderers Ferse. Die einheimischen nennen ihn amor seco (trockene Liebe). Durch Einwanderer aus Mittel- und Südamerika mitgebracht, gedeihen die Feigenkakteen ( Opuntia ficus-inica ), der Baumtabak ( Nicotiana glauca ) und die Sisal - Agave ( Agave Sisalana ) auf der Insel prächtig. Schon im 16. Jahrhundert wurden aus Mexiko Opuntien mitgebracht. Sie bedeckte große Flächen der Insel, da sie zur Farbstoffgewinnung aus Cochenille wirtschaftlich sehr wertvoll war. Die Früchte der Opuntien benutzt der Herreño manchmal als Viehfutter. In der halbfeuchten so genannten Montanstufe wächst neben dem Drachenbaum und der Kanarischen Dattelpalme auch das Wahrzeichen der Insel: die Sabina (Phönizische Wacholder - Juniperos phoenicea ). Sie gibt es als unscheinbaren Busch oder im äußersten Westen El Hierros als mehrere hundert Jahre alte, vom ständigen Wind geformte Bäume. Es sind nur die Reste eines ausgedehnten Sabina -Waldes.
Auf einer Meereshöhe von 800-1500 Metern, befindet sich El Hierros immergrüner Feuchtwald, der Monteverde , mit Feuchtigkeit liebenden Pflanzen wie den Lorbeerbäumen . Auf den Nachbarinseln La Palma und La Gomera existieren die größten zusammenhängenden Wälder dieser Bäume überhaupt. Auf El Hierro gibt es nur noch kleinere Anhäufungen, teilweise mit Kiefern vermischt. Dort wächst auch der Stinklorbeer ( Ocotea foetens ). In Lichtungen gedeiht der weiß blühende Mocán ( Visnea mocanera ), sowie der Ölbaum ( Picconia excelsa ) und der Erdbeerbaum ( Arbutus canariensis ). Früher bildeten diese drei Baumarten auf El Hierro ganze Wälder.
Vereinzelt ist auch der bis zu 25 Meter hohe Zedern-Wacholder ( Juniperus cedrus ) anzutreffen. Überwiegend besteht der Nebelwald auf El Hierro, vermischt mit Lorbeer und ein paar Kiefern , aus Baumheide ( Erica arborea ) und Gagelbaum ( Myrica faya ). Diesen Wald bezeichnet man auch als Fayal-Brezal-Wald . Auch hier gibt es einen Gagelbaum als seltenen Inselendemiten, den fayal herreña . Im urzeitlichen Dschungel wachsen auch Farne . Der Wurzelnde Grübchenfarn ( Woodwardia radicans ) hat bis zu drei Meter lange Wedel. Außerdem lebt hier der Venushaarfarn ( Adiantum capillus-venersi ), der Adlerfarn ( Pteridium aquilinum ) und der Wurmfarn ( Dryopteris oligodonta ). Aus den Wurzel des Adlerfarns konnten die Bimbaches Mehl herstellen, der Vorläufer von Gofio . Weitere Pflanzen in dieser Zone sind der bis zu zwei Meter hohe Kanarische Johannisstrauch , der Kanarische Buschklee , der ginsterähnliche codeso ( Adenocarpus foliolosus ) und der escobón -Strauch ( Chamaecytisus proliferus ). Es gibt außerdem den alten, bis zu 40 Meter hohen, aus Australien eingeführten Eukalyptusbaum ( Eucalyptus globulus ). Er entzieht dem Boden verhältnismäßig viel Wasser, und kann deshalb anderen Pflanzen in der Umgebung Schaden zuführen. Deshalb baut man ihn heute nicht mehr an.
Im Inneren der Insel, nördlich von San Andrés auf etwa 1000 Höhenmetern, findet sich ein weiteres Wahrzeichen der Insel, der Garoé ( arbol santo ), der heilige Baum der Ureinwohner . Er, es handelt sich um den schon erwähnten Stinklorbeer , ist 1957 neu gepflanzt worden. Den heiligen Ur-Baum - er war ein Exemplar des tilo -Loorbeerbaumes - soll 1610 ein Sturm gefällt haben. Ein kleines Informationszentrum informiert über Geschichte und Bedeutung dieses Baumes, der von den Ureinwohnern als Wasserspender genutzt und verehrt wurde. Die Aufnahme des heiligen Baumes in das Wappen der Insel illustriert seine historische Bedeutung.
Neben verschiedenen Froscharten sind auf El Hierro vor allem Eidechsen häufig, wie die endemischen Geckos tarentola boettgerio . Die Echsen ( lagartos ), sind meist mehr mit den afrikanischen Arten verwandt. Die häufigste Art ist der Holzscheit ( Gallotia galloti ) mit bis zu 35 cm Länge. Oft sieht man auch die blindschleichenähnliche Chalcides viridanus mit Stummelbeinchen, weshalb sie auch schon mal für eine Schlange gehalten wird. Auf den Kanaren gibt es jedoch keine Schlangenart. In den Küstengewässern lebt noch die Meeresschildkröte ( Caretta ), das größte Reptil des Archipels.
El Hierro ist bekannt für eine große urzeitliche Eidechsenart, die Gallotia simonyi simonyi , oder spanisch: Lagarto gigante . Es ist sicher, dass sie auf der Insel seit Urzeiten heimisch sind. Außer dem Menschen, der sie begann zu jagen und zu verspeisen, hatten sie keine Feinde. Zur Zeit der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert ging der Bestand, dank der Kultivierung vieler Landstriche, dramatisch zurück. Auch Schafe und Ziegen machten den Echsen das Futter streitig. Die Überlebenden zogen sich ins nördliche El-Golfo-Tal, zu den Roques de Salmor zurück, wo sie zum Ende des 18. Jahrhunderts erneut entdeckt wurden. In einer wissenschaftlichen Abhandlung aus dem Jahre 1889 wurde den Echsen der Beiname simonyi gegeben, nach dem Geologen und Kanarenforscher Oscar Simonyi . Die wenigen entdeckten Echsen wurden dann erneut gefangen und ausgestopft weiterverkauft, so dass sie auch hier wieder als ausgestorben galten. Aber in den 1970ern entdeckte ein Ziegenhirte durch Zufall in der Steilwand Fuga de Gorreta einige Exemplare großer Echsen. Man glaubte, Überlebende hätten sich dorthin flüchten können, doch es war nur eine Unterart des Lagarto gigante . Man nennt sie Gallotia simonyi machadori . Diese kleine Population steht seit 1975 unter Naturschutz . Seit 1996 können einige im Lagartario im Museumsdorf Guinea bestaunt werden. Der Lagarto gigante wird bis zu 75 cm lang, hat einen anthrazitfarbenen Schuppenpanzer mit hellem Muster, und eine kräftige, gedrungene Gestalt. Er hat einen langen dünnen Schwanz und lange Greifzehen. Er ernährt sich von Pflanzen und Insekten. Paarungszeit ist im Mai, einen Monat später werden bis zu zwölf Eier gelegt, aus denen acht Wochen später Junge schlüpfen. Man weiß nicht, wie alt die Echsen werden, denn keine im Lagartario ist über 35 Jahre alt.
Auf der Insel gibt es Endemisches: den Herrenischen Finken ( Fringilla coelebs ombriosa ) und die Herrenische Blaumeise ( Parus caeruleus ombrosius ). Auch gibt es den wilden Kanarienvogel ( Serinus canarius ), der mit seinen gezüchteten gelben Genossen in Europas Käfigen in Sachen Gesang und Farbe nicht mithalten kann. Schön singen kann allerdings die Mönchsgrasmücke ( Sylvia atricapilla ). Ansonsten gibt es auf El Hierro Sperlinge , Amseln , zwei Rotkehlchenarten , Zaunkönige , Stieglitze und den Wiedehopf . Weiterhin häufig ist der Zilpzalp ( Phylloscopus collybita ) und der nur auf den Kanaren und auf Madeira vorkommende Kanarenpieper ( Anthus berthelothi berthelothii ), auch Wegläufer genannt. Auch einige Krähenarten und Kolkraben ( Corvus corax ) fühlen sich neben Turteltauben und Kanarischer Wildtaube ( Columba livia canariensis ) wohl. Vom Aussterben bedrohte Fischadler nisten an einigen Steilküsten. Dort gibt es auch Falken , Sperber , die Gabelweihe und eine kanarenendemische Adlerart ( Buteo buteo insularum ). Dazu kommen die Kanarischen Waldohreulen ( Asio otus canariensis ) und die Schleiereulen ( Tyto alba alba ). Rebhühner und Wachteln gibt es auf der Insel reichlich. Nicht zu vergessen sind unzählige Möwen an den Küsten.
Es gibt etwa 5000 Insektenarten auf der Insel. Besonders etwas fürs Auge sind zahlreiche Schmetterlinge , wie der große Monarch ( Danaus plexippus ), der kanarenendemische Admiral ( Vanessa vulcanorum ), der endemische Kohlweißling ( Pieris cheiranthi ), der ebenfalls endemische Manto de Canarias ( Cyclyrius webbianus ) oder der Zitronenfalter . Zudem gibt es einige Nachtfalter . Haustiere unter den Insekten sind die vom Menschen eingeführten Bienen . Ihre Verwandten, die Hummeln , sind endemisch und haben hier ein weißes Hinterteil. Der Marienkäfer ist auf El Hierro etwas größer und heißt San Antonio . Nicht selten begegnet man auch Libellen . Erwähnenswert aber lästig können große und kleine Heuschrecken werden. Aus Afrika kamen noch in den 1950ern gefräßige Schwärme, die heute kaum eine Bedrohung darstellen, da sie schon auf dem Meer mit Insektiziden traktiert werden.1405 landete der Eroberer Jean de Béthencourt im Süden El Hierros in der Bahía de Naos . Er kam im Auftrag des kastilischen Königs Enrique III. , und eroberte zuvor schon Lanzarote und Fuerteventura . An Gran Canaria und La Palma scheiterte er, La Gomera gelang ihm nur nach und nach, und Teneriffa steuerte Béthencourt erst gar nicht mehr an. Durch eine List beendete er auf El Hierro die friedliche Herrschaft des Bimbachen-Königs Armiche . Nach einer Überlieferung hatte Béthencourt den Bimbachen und Verwandten des Königs Augerón dabei, der bei einem früheren Piratenüberfall in Gefangenschaft geriet. Er sollte König Armiche überreden, mit Béthencourt einen Pakt zu schließen. Dafür würden die Bimbachen wie Verbündete behandelt. Zögerlich nahm König Armiche das Angebot an. Er kam mit allen Getreuen zum Felsenstrand in Naos . Statt Verbündung nahm Béthencourt jedoch alle sofort gefangen und legte sie in Ketten. So endete plötzlich das friedliche Leben der Ureinwohner auf El Hierro in Sklaverei . In das Leben der Frauen, Kinder und Alten der Getreuen des Königs Armiche brach nun Gewalt ein. Die Eroberer fielen über die Wilden her und nahmen sich alles, auch die einheimischen Frauen.
Die steinzeitliche Kultur verlor sich rasch an die neuen Siedler, die die Eroberer mitbrachten. Die restliche Urbevölkerung musste sich taufen lassen, viele Frauen wurden mit den neuen Herrschern verheiratet. Nach wenigen Jahrzehnten waren die Völker vermischt.
Ende des 15. Jahrhunderts wurde das frühere Bimbachen-Dorf Amoco im Nordosten der Insel als Santa María de Valverde zum Hauptort der Insel. Aber auf der kleinsten Insel des Archipels gehen die Uhren bis heute immer noch langsamer. Die traditionelle Art der Viehzucht änderte sich kaum. Die Abgeschiedenheit verhinderte dramatische Entwicklungen. El Hierro blieb unbedeutend.
Auf seiner zweiten Reise steuerte Christoph Kolumbus nach La Gomera auch noch El Hierro an, um frisches Wasser und Nahrungsmittel zu laden. Er wollte auch noch auf günstigen Wind warten, der seine Flotte von 17 Schiffen schnell westwärts ziehen lassen sollte. Nach 19 Tagen auf El Hierro, am 3. Oktober 1493 , blies sie dann endlich ein kräftiger Passat von der Bahía de Naos aus in die Neue Welt .
Bis zur Entdeckung Amerikas im 15. Jahrhundert galt El Hierro als das äußerste Ende der westlichen Welt. Claudius Ptolemäus definierte daher im Jahre 150 den durch El Hierro verlaufenden Ferro-Meridian als Nullmeridian .
Nach diesem Bezugsmeridian sind zahlreiche Navigations - und Landkarten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert ausgerichtet. Erst als 1884 Greenwich als Bezugspunkt für den Nullmeridian international festgelegt worden war, begann seine Bedeutung zu schwinden – jedoch nur langsam: Es dauerte viele Jahrzehnte, alle kartografischen Systeme vollständig umzustellen. Die Landesvermessung (Gauß-Krüger-Meridianstreifen) Deutschlands , Österreichs und anderer Länder verwendete den Ferro-Meridian bis etwa 1990 . Ein wichtiger Vorteil dieser Längenzählung waren positive Werte für ganz Europa .
Im 19. Jahrhundert wurde El Hierro für Madrid interessant. Unbequeme Politiker, Militärs und Freigeister verbannte man auf dieses Eiland. Die Inselbewohner profitierten auch davon, denn Dr. Leandro Pérez , aus politischen Gründen verbannt, war der erste Mediziner auf der Insel. Er wurde von der Bevölkerung geachtet.
Im Juli 1899 vernichtete ein Großbrand das Rathaus von Valverde und das darin befindliche Inselarchiv, das seit 1553 geführt worden war. Viele bedeutende Dokumente über die Geschichte der Insel gingen unwiederbringlich verloren. Etwa zu dieser Zeit brach eine Pocken epidemie aus, und lange Dürre folgte auf starke Regenfluten. 1912 entstanden die beiden Gemeinden Valverde und La Frontera . Jede Insel, so auch El Hierro, darf sich seit dem selbst verwalten. Es wurden die Cabildos Insulares (Inselregierungen) eingerichtet. Der Erste Weltkrieg ging an der Insel spurlos vorüber. Während der Zweiten Republik ( 1931 - 1936 ) wurden der Hafen ausgebaut, Straßen neu angelegt, die Wasserversorgung verbessert und Schulen erweitert. Auch der Zweite Weltkrieg brachte El Hierro wenig Unheil, den anderen Inseln aber schon. 1948 zwang erneut eine Dürre zur Auswanderung.
In den 90er Jahren gab es Pläne der Spanischen Regierung und der autonomen Regierung der Kanarischen Inseln, eine zivile Raketenbasis auf der Insel zu installieren. Die europäische Weltraumbehörde ESA in Madrid plante, etwa zwei Forschungssatelliten pro Jahr in den Weltraum zu senden, es soll jedoch auch Pläne für bis zu 15 Starts gegeben haben. Aus Sicherheitsgründen hätte man zum Startzeitpunkt sogar benachbarte Dörfer evakuieren müssen. All das hatte massive Proteste der Inselbewohner zur Folge. Sie wollten die einzigartige Natur und ihre Umwelt schützen. Im Februar 1997 lehnte ein Sonderausschuss des Kanarischen Parlaments mit großer Zustimmung seiner Mitglieder das gesamte Vorhaben ab.
Ein weiteres Vorhaben, eine militärische Radarfrühwarnanlage auf dem Gipfel des Malpaso zur Flugzeugabwehr zu installieren, ist bis heute nicht entschieden. Die geografische Lage der Insel ist der Grund. Es gibt seit 1986 heftige Proteste in der Bevölkerung, als das spanische Verteidigungsministerium erstmals der Gemeindeverwaltung von La Frontera seine Pläne darlegte. Im Juni 2005 hat der spanische Verteidigungsminister José Bono verkündet, er könne sich auch eine mobile, nicht fest installierte Anlage vorstellen, die auch für andere Zwecke geeignet sei. Von dem anfangs geplanten 70.000 Quadratmeter großen Grundstück würde man heute nur noch 3.500 Quadratmeter benötigen. Aber man würde auch neue Zufahrtswege benötigen. Diese würden den historischen Weg zur Kapelle der Inselheiligen und Schutzpatronin ("Santuario de Nuestra Señora de los Reyes") kreuzen, was für die Herreños undenkbar und unhaltbar ist. Die Ablehnung der Inselbewohner bleibt ungebrochen. Auch auf anderen Inseln wie Teneriffa wird protestiert.